10 Dinge, an denen ich erkenne, dass ich in Südafrika integriert bin

Nach neun Jahren in Südafrika werde ich oft gefragt, wie mich das Land verändert hat und wie integriert ich mich fühle. Natürlich sind Frau und Kind sowie die dauerhaft dunklere Gesichtsfarbe die ganz offensichtlichen Dinge. Doch wie hat das Land meine Verhaltensweisen beeinflusst, inwieweit bin ich südafrikanisiert? Ich habe mir mal darüber Gedanken gemacht, wie Südafrika einen verändern kann. Die meisten Punkte sollten allerdings mit einer Prise Humor gesehen werden.

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Ich komme nicht mehr pünktlich zu Verabredungen

Es war ein Kampf mit meinen ur-deutschen Instinkten – ein extrem harter Kampf. Bei einer Verabredung kam ich auch am Kap zunächst meist überpünktlich – also 5 Minuten vorm eigentlichen Treffen. Doch der Südafrikaner an sich ist da viel entspannter und Uhrzeiten eher ein abstrakter Begriff aus dem Lexikon. Daher habe ich am Anfang viel gewartet. Nach Jahren am Kap komme auch ich nun oft zu spät, und bin trotzdem meist noch vor der anderen Person da. Dafür bin ich aber auch immer ein wenig stolz aufs Zuspätkommen, wenn auch nur ein bißchen.

Ich esse bevor ich zu einem Braai gehe

Südafrika ist berühmt für seine Braais, fürs Grillen. Und bei einem Braai ging ich am Anfang davon aus, dass man auch schnell was zu essen bekommt und mein leerer Magen freute sich auf gutes Fleisch und Boerewors. Klassischer Fall von Denkste. Denn so in etwa läuft hier ein Grilltag ab:

Man lädt für 16 Uhr ein
Man erscheint frühestens gegen 17 Uhr
Man trinkt
Man isst gegen 18 Uhr ein paar Snacks
Man trinkt weiter
Man legt gegen 19 Uhr Holzkohle auf den Braai
Man trinkt
Man legt gegen 20 Uhr Fleisch und Hühnchen auf den Braai
Man trinkt, jetzt auch ruhig ein paar Shots
Man legt gegen 21 Uhr die Würstchen dazu
Man trinkt
Man packt gegen 22 Uhr Fleisch, Hühnchen und Wurst in eine Schüssel und macht alles nochmal in der Mikrowelle warm
Man trinkt und isst

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Daher ist man hier gut beraten, vorher noch was zu essen. Und das tue ich inzwischen auch, wohl wissend, dass mir der Magen ansonsten bei so wenig Essen und so viel zu Trinken an den Kniekehlen hängen würde. Und auch das eine oder andere Bier habe ich stets dabei, um das Warten erträglicher zu machen.

Ich kann in mindestens drei der elf Landessprachen fragen, wie es jemandem geht

Ein „How are you“ steht hier stets am Anfang einer Unterhaltung. Ob bei der ersten Unterhaltung im Büro, am Telefon oder beim Small Talk mit dem Nachbarn. Und bei 11 offiziellen Landessprachen in Südafrika schnappt man das gleich in mehreren Sprachen auf. So kann ich dies heute auf Englisch, Afrikaans und Xhosa tun, je nachdem, wer vor mir steht.

Ich kann in mindestens drei der elf Landessprachen fluchen

Nun ja, wer etwa den Verkehr in Kapstadt kennt, der weiß sicher gleich, wie man ganz besonders schnell Schimpfwörter in möglichst vielen Landessprachen zusammenbekommt. Und nach Jahren im Berufsverkehr und auf Highways ist es manchmal doch ganz nützlich, auch etwas local fluchen zu können – auch hier auf Englisch, Afrikaans und Xhosa.

Mir wird bei unter 20 Grad kalt

In Südafrika ist es meist über 20 Grad warm. Und vielen Menschen ist es schon ein wenig kalt, wenn das Thermometer auf unter 20 Grad fällt. Während ich früher bei 15 Grad noch ein T-Shirt an hatte, kommt jetzt meist noch ein Pullover drüber. Auch das Wetterbefinden scheint hier auf mich abzufärben.

Das Wort now nutze ich in all seinen Variationen

In Südafrika gibt es mehrere „Jetzt“-Versionen. Now bedeutet nämlich nicht automatisch jetzt. Faustregel ist: Je mehr „nows“ in der Zeitangabe des südafrikanischen Gesprächspartners enthalten sind, desto länger dauert es! Wer ein „I’m coming now now“ zu hören bekommt, der weiß genau, dass es noch etwas länger dauert, bis diese Person kommt – wenige Minuten bis Stunden, man weiß es nicht. Auch bei einem „I’m coming now“ oder „just now“ wird es noch ein wenig länger dauern, bis die Person kommt bzw. etwas erledigt. Erst, wenn ein „right now“ in der Unterhaltung fällt, kann man davon ausgehen, dass es jetzt sofort angegangen wird. Und auch ich weiß inzwischen gut mit diesem Wort umzugehen.

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Ich stimme mit einem „sharp sharp“ zu

„sharp sharp“ ist ein Slangwort, das in Südafrika in vielen Situationen gesagt wird. Meistens bedeutet es „OK“, „Alles klar“. Und dieses Wort hat es inzwischen unwiderruflich in meinen Sprachgebrauch geschafft. Ob nun im Büro oder mit Freunden, sei es das Bestätigen eines Treffpunktes oder die Zustimmung einer Aufgabe bei der Arbeit – „sharp sharp“ ist immer mit dabei.

Ich grüße wildfremde Menschen auf der Straße

Südafrika ist ein wahnsinnig freundliches Land. Und so wird man auch auf dem Weg zum Bus, beim Spaziergang durch den Park oder im Supermarkt um die Ecke freundlich von anderen Menschen gegrüßt. Wofür man in Deutschland wohl meist irritierte Blicke kassiert, ist hier mehr als normal. Und so grüße ich also inzwischen auch wildfremde Menschen mit einem Lächeln und einem „How is it?“ Der Tag wird mit einem Lächeln im Gesicht auch gleich viel schöner.

Ich nenne mir fremde Leute “aunty/uncle” oder “sisi/boetie”

In Südafrika grüßt man sich nicht nur häufiger oder fragt, wie es einem geht – der gesamte Umgang miteinander ist freundlicher und herzlicher. Wenn jüngere Menschen mit älteren Personen sprechen, nennen sie ihre Gesprächspartner oft aunty (Tante) und uncle (Onkel) oder sisi (Schwester) und boetie (Bruder). Besonders oft passiert dies mit schwarzen und farbigen Gesprächspartnern, doch geht diese Herzlichkeit quer durch Land und Hintergrund. Und wenn Freunde meines Sohnes oder Nachbarskinder mich mit uncle ansprechen, fühle ich mich zwar alt, aber auch Zuhause.

Ich blinke oft nicht mehr, wenn es nicht unbedingt notwendig ist

Der Verkehr in Südafrika ist schon etwas speziell. Menschen fahren auf Ladeflächen von Pickups, zum Überholen auf dem Highway wird nicht zwingend die schnelle Spur genutzt und rote Ampeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen sind besonders für Minibusse eher eine Art Richtlinie als Gesetz. Ja, und blinken tut man hier auch eher nur sporadisch, wenn es grade passt. Und dabei erwische ich mich inzwischen selbst oft. Man muss ja nicht jede Unsitte im Verkehr mitmachen, aber auch hier kann man sich etwas integrieren – der gute Wille zählt!

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Vermutlich lassen sich noch einige weitere Punkte finden, die eine Integration belegen. Doch dies sind die Top 10, die in jedem Fall zutreffen. Und wer lange in Südafrika ist, kennt dies vielleicht auch.

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