Schafskopf und Umqombotho-Bier zum Mittagessen – ein Rundgang im Langa Township

Wir stehen im „Guga Sthebe“ im Township Langa und schauen uns die Vorführung einer Gruppe Kinder an. Sie kommen nicht nur aus Langa, sondern aus vielen anderen Stadtteilen. Hier im Gemeindezentrum starten wir unseren Townshiprundgang mit unseren Gastgebern Sam und Zoe. Sam ist Schweizer und lebt mit seiner Frau Zoe hier im Township und führt interessierte Besucher gerne durch ihre Nachbarschaft. Gemeinsam mit ihrem Freund Anele zeigen sie uns das Guga Sthebe.

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Wir stoßen auf viele Bilder und Skulpturen, die hier von Künstlern aus Langa gefertigt und ausgestellt werden. Wir schauen dabei zu, wie Vasen und Tassen bemalt und in den Ofen geschoben werden. Für viele ist dies ein Hobby und manche verdienen sich so etwas dazu. Und genau diese Talente sollen hier gefördert werden – ob nun Tanzen, Malen oder Töpfern. Sogar eine große Bühne für Konzerte findet sich im Guga Sthebe. Hier kommt man auf einen Kaffee zusammen und kann kreativ sein.

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Zoe und Sam erzählen uns viel über die Geschichte Langas. Es war das erste Township, in welches zu Apartheidzeiten Menschen aus dem Zentrum Kapstadts deportiert wurden. Und direkt neben dem Guga Sthebe befindet sich ein Gebäude, in dem diese Menschen sich damals registrieren mussten. Es dient heute als Museum, um Menschen von der Vergangenheit Langas und Südafrikas berichten zu können. Auch Aneles Familie kommt aus Langa und die Geschichte des Townships ist auch die Geschichte seiner Familie. Das spürt man deutlich, wenn er uns von dem Museum und der Gegend erzählt.

Während wir dort stehen fährt ein Bus mit Touristen an uns vorbei, macht Fotos und fährt dann weiter durch Langa. Genau diese Art von Rundgang machen wir heute nicht und wäre uns auch suspekt. Sam und Zoe nehmen uns mit in ihr Township. Sie leben mittendrin und direkt hinter ihrem Haus blicken wir auf Wellblechhütten und viele Stände, an denen die Menschen kochen, grillen und beisammensitzen. An einem der Stände wird sogar grade unser Essen vorbereitet – Schweinefleisch von einem Schwein, das erst wenige Stunden zuvor beim Schlachter nebenan geschlachtet wurde. Frischer können wir heute wohl kaum essen.

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In Langa leben größtenteils Xhosa und so werden hier auch noch Jahrhunderte alte Xhosa-Traditionen gepflegt. Eine Tradition lernen wir bei unserem ersten Stopp kennen. Dieser führt uns zu einem traditionellen Wunderheiler, einem Sangoma. In der Xhosa-Kultur gehört es für viele Menschen dazu, in bestimmten Situationen einen Wunderheiler aufzusuchen. Wenn man sich Glück wünscht oder sich krank fühlt. Der Sangoma sitzt in einem Container, in den Regalen um ihn herum liegen viele kleine Fläschchen und Behälter. Innen ist es etwas dunkel, nur eine Kerze leuchtet und der Sangoma erzählt uns, dass er sein Handwerk vor vielen Jahren von seinem Großvater gelernt hat. Nun spricht er seine Sätze und wünscht uns somit viel Glück für unsere Zukunft. Unser kurzer Besuch war in jedem Fall sehr interessant, denn er hilft, die Kultur der Xhosa und Afrikas zu verstehen und kennenzulernen.

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Mit dem Segen des Sangomas im Rücken gehen wir durch Langas Township. Alle Menschen, die uns hier begegnen tun dies mit einer großen Freundlichkeit und Herzlichkeit. Denn wer in einem Township nur Armut verbindet, der liegt sicher falsch. Man spürt die Gemeinschaft und auch, dass wir positiv aufgenommen werden – und das ist bei weißen Besuchern in Townships sicher nicht überall normal.

Nun wird es Zeit für ein Bier. Doch nicht irgendein Bier – ein traditionelles, selbstgebrautes Bier. Wir gehen in eine Shabeen, eine traditionelle Township-Kneipe und schauen zu, wie die Hausherrin das selbstgebraute Umqombotho-Bier hervorholt. Das Rezept zur Herstellung des Umqombotho-Biers gilt als eines der weltweit 200 vom Aussterben bedrohten Rezepte, weil immer weniger Menschen die Zubereitung beherrschen.

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Das Bier wird in einen kleinen Eimer geschüttert, aus dem wir nun alle trinken. Beim Trinken müssen sich die Männer traditionell hinknien. Und so macht der Eimer 2, 3 Runden, so dass wir alle davon probieren können. Schmeckt nicht schlecht.

Und wir gehen weiter durchs Township. Vor vielen der Wellblechhütten stehen gute Autos, SUVs, 4×4 oder BMWs. Viele der Einwohner ziehen bewusst nicht in eine Wohnung in der Stadt und kaufen sich stattdessen lieber ein gutes Auto. Und viele haben gute Jobs, haben studiert und bleiben aber in ihrer Gemeinschaft leben, in Langa.

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An einer der Wellblechhütten bleiben wir stehen und holen uns einen kleinen Snack. Auf dem Tisch liegt bereits ein aufgeschnittener Schafskopf. Ein paar Minuten wird er noch in heißem Wasser gekocht und fertig ist er. Anele schneidet ihn in kleine Stücke und jeder bekommt ein paar ab. Schmeckt nicht anders als andere Teile des Schafs. Vor dem Verzehr guckt es dich halt nur mit seinen Augen an.

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Wir gehen weiter durch Langa und bleiben an einem Platz stehen, an dem zwei Männer in traditionellen Gewändern tanzen. Angefeuert werden sie von knapp 100 Menschen, die eine Menschentraube um sie herum gebildet haben. Auch das gehört zum Stadtbild eines Townships, vor allem am Wochenende. Wer kreativ ist und ein Talent hat, der zeigt es auch – auf der Bühne, auf der Straße oder vor seiner Hütte.

Nun holen wir uns noch unser Fleisch an dem Stand ab und essen es bei Sam und Zoe Zuhause mit leckerem Salt und einem Cider. Es war ein sehr entspannter und aufschlussreicher Rundgang, der uns die Herzlichkeit und das Gemeinschaftsgefühl Langas aufgezeigt hat. Dies hat in jedem Fall Wiederholungspotential.

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Langa

Langa ist ein Township in den Cape Flats östlich von Kapstadts Zentrum. Es wurde 1927 gegründet, um hier schwarze Südafrikaner unterzubringen. Auch heute noch sind 99% der Einwohner schwarz. Es ist das erste und älteste Township Kapstadts. Langa war zudem eines der Zentren der Anti-Apartheid-Protestbewegung im Jahr 1960. Benannt wurde Langa nach dem Xhosa-Häuptling Langalibalele. Ein Teil der 50.000 Einwohner lebt in Wellblechhütten, ein anderer Teil in normalen Häusern aus Stein.

Bei einem Rundgang durch das Township kann man viel über die Geschichte und Gegenwart Langas lernen und die Menschen kennenlernen. Einen solchen Rundgang kann man mit Zoe und Sam machen und so sehr authentisch und persönlich Langa kennenlernen.

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Tipps

Wer als Tourist bislang von Townshiptouren oder Rundgängen abgeschreckt war, dem wird diese Art Rundgang gefallen. Denn man erkundet das Township mit Menschen, die hier seit Jahren leben, hier aufgewachsen sind. Man fährt nicht mit vielen anderen Touristen in einem Bus durch das Viertel, was sowohl auf Besucher und auch Einwohner unangenehm wirken kann. Man lernt die Menschen persönlich kennen, isst mit ihnen, trinkt mit ihnen und kann Langa mit einem sehr angenehmen Gefühl und einer positiven Erfahrung wieder verlassen. So lassen sich zudem Vorbehalte abbauen,  denn man wird überrascht sein, was ein Township so alles zu bieten hat.

Wer noch mehr über Zoe und Sam erfahren möchte, der findet auf „Kapstadt entdecken“ ein Interview mit ihnen!

Kontakte und Adressen

Townshiptour.de
Bisonti Web
Chiemerrütiweg 17
6405 Immensee
E-Mail: info@townshiptour.de
Website: http://townshiptour.de/

Alle meine Blogs gibt es in meinem ebook und dem Taschenbuch “joweberamkap – Kapstadt-Tipps vom Auswanderer” auf Amazon.de:

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